Hier ein erfundener Brief, der aber auch echt sein könnte. Gefunden habe ich ihn hier: http://www.gedichtesammler.de/liebesgedichte
Meine liebe, gute Frau! Dein Brief und die vielen lieben und ernsthaften Worte haben mich sehr bewegt, und ich danke Dir dass von ganzem Herzen. Und wenn es Dich nicht allzu stolz macht (aber das ist ja wahrlich nicht Deine Art), so habe ich nie gewusst oder geglaubt, dass ich so eine gescheite und verstehende Ehefrau habe. Und Du hast recht: manchmal muss man erst vor einem Trümmerhaufen stehen, um zu erkennen, wie hilfreich und gütig andere Menschen sind, aber auch um zu sehen, wie nah einem die liebe Hand der Ehekameradin ist, um zu retten und wieder ins Leben zuruckzuführen. Dafür sei Dir, meine liebe, tapfere Frau, inniger Dank! Ja, es war ein grausames Bild, vor dem wir beide standen: ich in den Blechresten des Autos, herausgeholt von Menschen, die zu helfen verstehen, und Du vor dem Fernsehbild mit dem Anblick der Toten. Du darfst mir glauben, dass ich die ersten Tage mit dem Schicksal gehadert und gedacht habe ,,Wenn ich doch dort gelegen hatte und nicht die anderen, ja, dann wäre für mich alles leichter " Aber es sollte nicht sein, es ist anders gekommen, und Du, meine Liebe, hast mich von diesem Bild und den traurigen Gedanken weggeführt, im wahrsten Sinne des Wortes. Du hast durch Dein ,,Bei-mir-sein", Deine gereichte Hand, alles gewandelt, wieder den Sinn des Lebens und der Gemeinsamkeit in meinem Herzen gefestigt. Und ich ersehne nichts lieber als den Tag, da ich Deine warme und tröstende Hand wieder ganz nah und wirklich spüren kann und Dir Liebessprüche in Ohr flüstern darf. Deine aufrüttelnden, ja zu Herzen gehenden Worte haben mich von Deiner starken und opferbereiten Liebe überzeugt und lassen mich gern umkehren und wieder bei Euch sein, im alten Zuhause, in dem, was wir mühsam und gemeinsam geschaffen haben. Wir wollen es noch einmal wagen, ganz neu anzufangen dank Deiner gütigen Hilfe, Deinem festen Glauben an das Gute und der Hoffnung, dass es gemeinsam besser und leichter weitergeht. Dank sei Dir für Deine innige Liebe zu mir! Dein lieber Vorschlag, mit Menschen zu sprechen, die Erfahrung und Verständnis für die Dinge des Lebens haben, hat mir auch sehr geholfen: Ich habe hier in der Klinik gute Menschen kennen gelernt, ältere und jüngere, mit denen man solche Probleme ganz neutral und offen bereden konnte, und wir sind echte Freunde geworden. Zwei Herren wohnen in unserer Nähe, und wir werden sie auch einmal besuchen. Erst jetzt kann ich begreifen, wie viel andere Menschen helfen können, die auch irgendwie ,,geschlagen" sind. Es sind schließlich nicht nur gute Geschäftsbeziehungen, die Menschen verbinden sollten, sondern die Freuden und Leiden des Lebens im persönlichen Bereich, da viele die gleichen Sorgen und Probleme haben.
Aber nun zum Schluss noch eine ganz besonders freudige Mitteilung: nächste Woche ist es so weit ich darf heimkommen. Ich muss zwar noch ein paar Wochen in der dortigen Klinik bleiben, aber bei Euch in Eurer Nähe darf ich sein, und es ist so schön, daran zu denken. Ein Kollege aus der Firma hat hier in der Nähe zu tun und nimmt mich mit. Vater hat bereits alles geregelt und mit der Klinik verhandelt, den genauen Termin gebe ich noch bekannt. Nochmals für alles herzlichst dankend, verbleibe ich in Liebe und Freude auf ein baldiges Wiedersehen!

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